12.07.2012 LogBW-Seminar „Entsorgungslogistik – Prozesse, Potentiale, Praxis: Was kann die Telematik zur Optimierung beitragen ?“

Am 11. Juli 2012 veranstaltete das Logistik-Netzwerk Baden-Württemberg (LogBW) ein spannendes Seminar zur Entsorgungslogistik. Praxisorientierte Vorträge von den Dienstleistungsunternehmen INFA und mm-lab sowie dem Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (A.R.T.) zeigten eindrucksvoll und nachhaltig die Möglichkeiten und Vorteile von Telematiksystemen auf.

Die Entsorgungslogistik hat heute einen höheren Stellenwert denn je. Abfälle im weitesten Sinn entstehen praktisch überall, im privaten, gewerblichen und öffentlichen Raum und erfahren eine stetige mengenmäßige Zunahme. Steigender unternehmensinterner und marktabhängiger Kostendruck sowie umweltpolitische Verschärfungen (Stichwort: Green Logistics / Immissionsschutz) stellen Entsorgungsunternehmen täglich vor neue Herausforderungen.

Das INFA (Institut für Abfall, Abwasser und Infrastruktur-Management GmbH ) bietet umfangreiche Beratung in den Bereichen Abfall, Abwasser, Immissionsschutz, Grünflächenwesen und Infrastruktur. Es unterstützt Unternehmen bei der Datenerhebung, bei der Auswahl passender Angebote und in der Implementierungsphase. Dieter Oelgemöller erläuterte die Vorgehensweise seines Unternehmens, vor allem hinsichtlich statistischer Erhebungen bezüglich Planung und Qualitätsprüfung. Erhoben werden unter anderem die zeitlichen Abschnitte der täglichen Arbeitsabläufe, die durchschnittliche Sammelleistung, der Fahrzeugbedarf und die bestehenden Betriebskosten. Auf dieser Grundlage können verschiedene Szenarien berechnet und dem Kunden präsentiert werden, der dann letztendlich entscheidet, welche „Bausteine“ er umsetzen möchte. Häufige Probleme sind fehlende oder unzureichende Daten, große ungenutzte Datenmengen oder auch Hindernisse bei der Umsetzung von Maßnahmen. Daher empfiehlt es sich die Mitarbeiter, vertreten durch Betriebs- oder Personalräte, frühzeitig in den Prozess mit einzubeziehen.

Der Zweckverband Abfallwirtschaft im Raum Trier (A.R.T. – Körperschaft öffentlichen Rechts) hat sich bereits in den 1990er-Jahren mit Optimierungsprozessen praktisch auseinander gesetzt und schließlich Mitte 2008 in Zusammenarbeit mit der Firma mm-lab ein Telematiksystem implementiert. Für Bernard Schlösser ist die Einführung der Telematik vor allem in Verbindung mit anderen Projekten ein voller Erfolg: elektronische Zeit- und Betriebsdatenerfassung, leistungsstarke Fahrzeuge mit Telematik-Ausstattung, Flexibilisierung der Arbeitszeit, vertrauens- und respektvolle Zusammenarbeit bilden die Grundlage für das Erfolgskonzept, das sich bereits nach wenigen Jahren amortisiert hat. Das Telematiksystem bietet die Möglichkeit der Fahrzeugortung, Tourenführung und Auftragsverwaltung. Die Fahrzeugtagesaufträge werden automatisch ausgegeben, können aber flexibel vom Disponenten beeinflusst werden, sodass Engpässe auch kurzfristig durch andere Teams abgebaut werden können. Der Fahrer wird graphisch und akustisch zum Auftragsort geführt, wo er den Status des Auftrags eingeben kann. Insbesondere für Mitarbeiter der Generation 50plus bietet A.R.T. regelmäßig freiwillige Computerkurse an, um die Scheu vor dem Einsatz neuer technischer Endgeräte zu minimieren.

Das Unternehmen mm-lab GmbH bezeichnet sich selbst als Systemhaus. Es werden keine klassischen Produkte geliefert, sondern flexible Gesamtlösungen angeboten, die softwareseitig dynamisch an konkrete Endgeräte angepasst werden. Eine zentrale Datenbank verwaltet alle berechenbaren und nicht-berechenbaren Kriterien (wie Straßensperrungen, Baustellen, verringerte Durchfahrtshöhen, u.ä.), sodass Fahrzeuge optimal gelenkt werden können. Wichtig ist dabei die Funktion des Disponenten, der als einziger umfangreichen Zugriff auf die erforderlichen Daten haben sollte. Die Fahrer haben über einfache Benutzerschnittstellen (HMI) nur beschränkten Zugriff, was potentielle Fehler- und Gefahrenquellen minimiert. Michael Meiser sieht in der Nutzung von Telematiksystemen Einsparpotenziale im Treibstoffverbrauch, in der Arbeitszeit, im Fuhrparkbestand und in der Vermeidung von Zusatzfahrten, wobei frei werdende Potenziale anderweitig unternehmensintern investiert werden sollten, z.B. in die Dienstleistungsqualität, in die Aufnahme neuer Dienstleistungen oder in die Förderung neuer Projekte.

Nach allgemeinem Konsens ist in jedem Fall ein klar definiertes Anforderungsprofil von Seiten des Kunden unabdingbar, um bestehende Geschäftsprozesse optimal ausnutzen zu können. Die Befürchtung, Telematik bedeute „nur“ Überwachung des Personals, wurde von den Referenten dementiert, bestehe doch zumindest bei kommunalen Entsorgern auch eine Aufsichtspflicht gegenüber dem Arbeitnehmer. Telematiksysteme dienen zudem in erster Linie der Optimierung der Touren- und Auftragsplanung, wofür die Ermittlung des genauen Standortes der Fahrer notwendig ist.
Die Teilnehmer waren sich zudem darüber einig, dass, hinsichtlich des allgemein gegenwärtigen demographischen Wandels, Veränderungen der Arbeitsanforderungen zu Gunsten der Arbeitnehmer der Generation 50plus vorgenommen werden sollten.

Ergebnis:
Die enge Verknüpfung zu Forschung und Entwicklung ist ebenso wichtig wie der Bezug zur Praxis. Telematiklösungen sind nicht pauschal auf alle private / kommunale Unternehmen anwendbar, sondern müssen den jeweiligen Gegebenheiten angepasst werden, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Statistische und mathematisch messbare Komponenten sollten dabei unbedingt durch den Faktor „Mensch“ ergänzt werden.

Durch die unterschiedliche schwerpunktmäßige Ausrichtung der Referenten erhielten die Teilnehmer des Seminars einen guten ersten Überblick über Einsparpotentiale, gelegentlich auftretende Hindernisse sowie erweiterte Möglichkeiten von Identifikations- und Telematiksystemen.

Sollten Sie spezifische Fragen zu dieser Thematik oder den Referenten haben, wenden Sie sich bitte an:

Projektmanagerin
Ingrid Eibner
Ingrid.eibner[at]logbw.de

Wir werden Ihr Anliegen gerne an den jeweiligen Spezialisten weiterleiten.